Die Zeitangaben auf Bankwebsites sind ein kleines Meisterwerk der optimistischen Kommunikation. "In wenigen Minuten fertig." "Konto in 5 Minuten eröffnen." "Sofort verfügbar." Was diese Versprechen verschweigen: Sie beschreiben den besten Fall. Den Fall, bei dem alles auf Anhieb funktioniert, die Dokumente griffbereit sind, das Licht stimmt, die Verbindung stabil ist und die Bank keine Rückfragen hat.
In der Praxis sieht das anders aus. Nicht weil Banken langsam oder böswillig wären, sondern weil der Prozess mehr bewegliche Teile hat als er auf den ersten Blick suggeriert. Wer die häufigsten Stolperstellen kennt, kann sie umgehen – und spart sich Tage oder in manchen Fällen Wochen.
Was die Zeitangaben nicht einrechnen
Nehmen wir den Ablauf einer typischen Direktbank-Kontoeröffnung auseinander. Der Antrag selbst – Daten eingeben, Konditionen bestätigen, absenden – dauert tatsächlich fünf bis zehn Minuten, wenn man vorbereitet ist. Die Identifizierung per VideoIdent kommt danach und dauert weitere zehn bis fünfzehn Minuten, einschließlich Wartezeit auf einen freien Mitarbeiter. Bei PostIdent kommt noch der Weg zur Postfiliale dazu.
Dann folgt die interne Prüfung der Bank. Die meisten Direktbanken versprechen eine Rückmeldung innerhalb von ein bis zwei Werktagen. In der Praxis sind es manchmal drei bis fünf, besonders zu Stoßzeiten oder wenn das System manuelle Nachprüfungen auslöst. Was manuelle Nachprüfungen auslöst? Ungewöhnliche Adressangaben, Namensabweichungen zwischen Antrag und Ausweisdokument, oder einfach algorithmische Schwellenwerte, die niemand öffentlich kommuniziert.
Nach der Genehmigung kommt die Karte. Per Post. Standard-Brieflaufzeit in Deutschland: zwei bis fünf Werktage, offiziell. Real: manchmal schneller, manchmal länger. Manche Banken verschicken Karte und PIN-Brief separat, aus Sicherheitsgründen – was bedeutet, dass man zweimal auf Post wartet. Bis beide Briefe angekommen sind und man die Karte aktiviert hat, können seit dem ersten Klick auf "Jetzt Konto eröffnen" problemlos zehn bis vierzehn Tage vergangen sein.
Die IBAN bekommt man in der Regel früher – oft direkt nach der Genehmigung, manchmal schon während des Antragsprozesses als vorläufige Angabe. Überweisungen empfangen ist also meistens schneller möglich als das Konto vollständig nutzbar ist. Aber Kartenzahlungen und Bargeldabhebungen warten auf die physische Karte.
Die häufigsten Gründe, warum Anträge scheitern oder sich verzögern
Abgebrochene oder abgelehnte Anträge passieren häufiger als man denkt – und meistens aus vermeidbaren Gründen.
Der häufigste: fehlende oder falsche Daten. Die Steueridentifikationsnummer ist der klassische girokonto-eroeffnen.com Engpass – wer sie nicht sofort griffbereit hat, bricht den Antrag ab oder gibt eine falsche Nummer ein. Letzteres führt zur Ablehnung oder zu einem Nachprüfungsprozess, der Tage kostet. Die Steuer-ID findet sich auf dem letzten Einkommensteuerbescheid, auf der Lohnsteuerbescheinigung des Arbeitgebers oder lässt sich beim Bundeszentralamt für Steuern telefonisch erfragen. Wer sie vor Antragsbeginn heraussucht, eliminiert diesen Stolperstein vollständig.
Zweithäufigster Grund: Probleme bei der Identifizierung. VideoIdent schlägt fehl, wenn das Ausweisdokument beschädigt oder stark abgegriffen ist, wenn die Sicherheitsmerkmale unter der Kamera nicht klar erkennbar sind, oder wenn die Verbindung während des Gesprächs abbricht. Abgelaufene Ausweise werden sofort abgewiesen. Wer nicht sicher ist, ob sein Ausweis noch gültig ist oder in gutem Zustand, sollte das vor dem Identifizierungsversuch prüfen – ein abgebrochener VideoIdent-Versuch kostet meist keinen weiteren Versuch, aber Zeit und Nerven.
Dritter häufiger Grund: Adressprobleme. Wer gerade umgezogen ist und die neue Adresse noch nicht im Melderegister eingetragen hat, oder wessen Adresse sich von der auf dem Ausweis unterscheidet, kann in Prüfungsschleifen geraten. Banken gleichen Adressen gegen externe Datenquellen ab. Abweichungen erzeugen Rückfragen. Wer umgezogen ist, sollte sich zuerst ummelden – und dann das Konto eröffnen, nicht umgekehrt.
Weniger häufig, aber relevant: technische Fehler im Antragsprozess. Nicht alle Banking-Plattformen sind gleich robust. Wer den Browser wechselt, die Seite neu lädt oder zu lange zwischen zwei Schritten wartet, verliert manchmal den Antragsstatus und muss von vorne beginnen. Der praktische Rat: Antrag in einem Zug durchführen, keine anderen Tabs öffnen, kein spontanes Kaffeeholen zwischen Schritt drei und vier.
Filialbanken: Langsamer, aber mit anderen Vorteilen
Bei Filialbanken läuft die Kontoeröffnung anders – nicht zwingend schneller, aber oft zuverlässiger in dem Sinne, dass weniger technische Stolperstellen existieren.
Der klassische Weg: Termin vereinbaren, persönlich erscheinen, Ausweis vorlegen, Formulare unterschreiben. In einer halben Stunde ist der Antrag gestellt. Die Karte kommt trotzdem per Post, und die interne Bearbeitungszeit ist ähnlich wie bei Direktbanken. Was sich unterscheidet: Wenn etwas unklar ist, klärt es der Berater im Gespräch direkt – kein Warten auf eine E-Mail, kein Nachreichen von Dokumenten über ein Upload-Portal, das manchmal funktioniert und manchmal nicht.
Manche Filialbanken bieten mittlerweile auch sofort nutzbare digitale Konten an, bei denen die IBAN direkt beim Termin ausgehändigt wird und eine vorläufige digitale Karte sofort in die Banking-App geladen werden kann. Das ist noch nicht überall Standard, wird aber häufiger. Wer es eilig hat und eine Filiale in der Nähe hat, ist damit manchmal schneller handlungsfähig als mit der Direktbank-Option.
Die ehrliche Zusammenfassung: Eine Kontoeröffnung dauert bei optimaler Vorbereitung und fehlerfreiem Prozess drei bis fünf Werktage bis zur vollständigen Nutzbarkeit. Bei Komplikationen – falsche Daten, Identifizierungsprobleme, Postlaufzeiten – können es zwei bis drei Wochen werden. Wer ein Konto bis zu einem bestimmten Datum braucht, sollte mit dem Puffer planen, nicht mit dem Idealfall. Das gilt besonders, wenn man das Konto für einen konkreten Anlass braucht: ersten Arbeitstag, Mietvertrag unterschreiben, erste Gehaltsüberweisung. Wer zwei Wochen Vorlauf einplant, schläft ruhiger.
Noch ein Punkt, der gerne vergessen wird: Wer mehrere Konten gleichzeitig beantragt – um zu vergleichen oder weil man unsicher ist, welche Bank man wählen möchte –, sollte wissen, dass jede Schufa-Anfrage einer Bank dort als Eintrag sichtbar wird. Zu viele Anfragen in kurzer Zeit können den Score leicht senken und bei manchen Banken Rückfragen auslösen. Besser: Einmal entscheiden, dann beantragen. Der Vergleich gehört vor den Antrag, nicht parallel dazu.